Vulkantypen erklärt: vom Schlackenkegel bis zum Supervulkan
Nicht jeder Vulkan sieht aus wie der Fuji. Das populäre Bild des scharfen Kegels ist nur eine von mehreren Formen, und jede Form verrät etwas über Magmazusammensetzung, Ausbruchsstil und Risiko. Hier eine Tour durch die wichtigsten Typen, mit Beispielen und Erkennungszeichen für das Gelände.
Stratovulkane
Der klassische Lehrbuchvulkan. Steile, geschichtete Kegel aus abwechselnd Asche, Lava und pyroklastischen Strömen. Häufig an Subduktionszonen. Beispiele: Fuji, Vesuv, St. Helens, Cotopaxi. Die Eruptionen sind meist explosiv, denn das Magma ist zäher Andesit oder Dazit. Erkennbar an der symmetrischen Form und der langen Reihe ähnlicher Gipfel entlang einer Plattengrenze.
Schildvulkane
Breite, flach geneigte Vulkane, fast vollständig aus dünner basaltischer Lava aufgebaut, die weit fließen kann, bevor sie erstarrt. Hawaii ist die Typlokalität. Der Mauna Loa, der größte, ist vom Meeresboden gemessen fünfzigmal so voluminös wie der Mount Everest. Die Ausbrüche sind meist sanft und besuchbar. Erkennbar an dem sehr flachen Hangwinkel und der weiten Basis.
Calderavulkane
Vulkane, die nach einem großen Ausbruch in sich zusammengestürzt sind, als die Magmakammer leerlief. Die Senke — die Caldera — kann zehn Kilometer und mehr breit sein. Beispiele: Yellowstone, Aso, Santorin, Toba. Oft wassergefüllt (See) oder vom Meer überflutet. Der Vulkan ist nicht zerstört; meist bauen neue Kegel im Inneren weiter.
Lavadome
Steile, oft halbkugelförmige Aufwölbungen aus zäher Lava, die zu langsam austritt, um weit zu fließen. Häufig im Krater von Stratovulkanen. Der heutige Dom des Mount St. Helens ist das Standardbild. Lavadome sind instabil: sie kollabieren, manchmal explosiv, und erzeugen pyroklastische Ströme.
Schlackenkegel
Kleine, steile Kegel aus losen pyroklastischen Bruchstücken, die aus einem einzigen Schlot ausgeworfen werden. Die meisten sind monogenetisch — sie brechen einmal aus und schweigen danach. Weltweit Zehntausende. Paricutín in Mexiko ist das bekannte Beispiel, das 1943 in einem Maisfeld entstand. Erkennbar an der regelmäßigen Kegelform, der dunklen Farbe und der geringen Größe.
Tuffkegel und Maare
Vulkane, die entstehen, wenn aufsteigendes Magma nahe der Oberfläche Wasser trifft. Die Wechselwirkung ist explosiv und erzeugt einen niedrigen Kegel oder Krater statt eines hohen Berges. Maare sind Krater fast ohne Rand, oft wassergefüllt. Beispiele: die Eifelmaare in Deutschland, Diamond Head auf Oahu.
Lavaplateaus und Flutbasalte
Keine klassischen Vulkane, sondern weite, flache Gebiete aus gewaltigen Basaltströmen. Die Columbia-River-Basalte in den USA und die Dekkan-Trapps in Indien sind kontinentale Beispiele. Solche Flutbasalte sind in der Tiefe der Zeit mit Massensterben verknüpft.
Submarine Vulkane
Der größte Teil des Vulkanismus der Erde liegt unter Wasser, an mittelozeanischen Rücken und in Inselketten. Submarine Vulkane können zu Seamounts heranwachsen und schließlich die Oberfläche durchbrechen — die isländische Insel Surtsey entstand in den 1960ern so. Eruptionen sind meist nur Satelliten, Fischereiflotten und Bathymetrien sichtbar.
Supervulkane
Keine strenge wissenschaftliche Kategorie, aber eine nützliche: Vulkane, die in einem Ereignis mehr als 1.000 Kubikkilometer Material fördern können. Yellowstone, Toba und Taupo sind kanonische Beispiele. Ihre Ausbrüche sind auf Menschenzeitskala selten und verändern den Kontinent, wenn sie passieren.
Schlammvulkane
Gar nicht magmatisch, aber erwähnenswert. Schlammvulkane entstehen, wenn warmer, gasreicher Schlamm aus dem Untergrund durch Sediment aufsteigt, oft über Öl- und Gasfeldern. Die Makran-Küste Irans hat Dutzende. Sie sehen aus wie Vulkane, verhalten sich wie Vulkane, sind aber ein anderes Phänomen.
Wie man einen Vulkan liest
Die Form eines Vulkans verrät meist schon das Wichtigste. Ein steiler Kegel deutet auf zähes Magma und explosives Risiko hin. Ein breiter Schild auf dünne Lava und sanfteres Verhalten. Eine Caldera auf vergangenen Kollaps und die Möglichkeit zukünftiger gewaltiger Ereignisse. Eine Reihe kleiner Kegel auf wiederholte, kurzlebige Ausbrüche.
Auf der Karte
Auf der Karte, nach Region gefiltert, kann man die typischen Muster suchen: Linien von Stratovulkanen entlang von Subduktionsbögen, Cluster von Schlackenkegeln in Vulkanfeldern, breite Schilde vor Hawaii und Calderen als runde Senken in der Landschaft.