Sakurajima: Tiefblick auf Japans aktivsten Vulkan
Sakurajima ist der Vulkan, den alle in Südjapan vom Sehen kennen. Vom Zentrum Kagoshimas — eine Stadt mit rund 600.000 Einwohnern direkt gegenüber der Bucht — füllt er den östlichen Horizont als Dreigipfelkegel mit einer fast permanenten grauen Aschefahne. Die Züge haben Scheibenwischer. Die Schulen verteilen Helme. Alltag und explosiver Vulkanismus laufen hier ineinander.
Ein Vulkan, der fast täglich ausbricht
Sakurajima produziert pro Jahr Hunderte kleiner Explosionen, die meisten aus dem Minamidake-Krater. Manche sind kaum mehr als Stoßseufzer; andere schicken Aschewolken 4–5 Kilometer hoch. Die japanische Wetteragentur veröffentlicht Eruptionsmeldungen nahezu in Echtzeit, und Aschefahnen werden im Flugbetrieb so eingerechnet wie anderswo Schnee.
Von der Insel zur Halbinsel
Bis 1914 war Sakurajima eine echte Insel. Die Taisho-Eruption jenes Jahres — die größte in Japan im 20. Jahrhundert — schüttete genug Lava in die Meerenge, um den Vulkan mit der Osumi-Halbinsel Kyushus zu verbinden, und schuf so die heutige Landzunge. Dörfer wurden verschüttet, die Küstenlinie der Bucht neu gezeichnet.
Mit fallender Asche leben
Die Bewohner gewöhnen sich an feine graue Asche auf Autos, Wäscheleinen und Feldern. Gelbe Aschebeutel der Stadtreinigung stapeln sich an Straßenecken. Lokale Kulturen — vor allem der berühmte Sakurajima-Daikon, der als größter Rettich der Welt gilt — gedeihen auf vulkanischer Erde, die durch Asche regelmäßig aufgefrischt wird.
Den Riesen überwachen
Das Sakurajima-Vulkanforschungszentrum betreibt eines der dichtesten Messnetze der Welt, mit Seismometern und Neigungsmessern über Vulkan und Buchtboden verteilt. Die Prognosegenauigkeit für vulkanianische Explosionen ist in den letzten Jahrzehnten deutlich gewachsen, doch der Vulkan kann immer noch überraschen.
Den Vulkan besuchen
Besucher nehmen eine 15-minütige Fähre von Kagoshima Stadt. Das Yunohira-Observatorium an der Westflanke ist der nächste legal zugängliche Aussichtspunkt; bei klarer Sicht beobachtet man Aschefahnen aus wenigen Kilometern Entfernung. Am Ufer unten verlaufen Fußbäder, gespeist von heißen Quellen.
Eine zukünftige Aira-Eruption
Sakurajima sitzt am Südrand der Aira-Caldera, dem Überrest einer gewaltigen Eruption vor rund 30.000 Jahren, die viel vom Süden Kyushus formte. Geologen beobachten die Magmakammer von Aira genau; manche Szenarien gehen davon aus, dass eine vergleichbare Eruption in einigen Jahrhunderten möglich ist — mit katastrophalen regionalen Folgen.
Warum Sakurajima zählt
Sakurajima ist das Lehrbuchbeispiel dafür, wie eine Großstadt mit einem Vulkan koexistieren kann, der praktisch nie schläft. Er ist auch einer der bestuntersuchten Vulkane der Welt — und eine deutliche Erinnerung daran, dass die nächste große Eruption im Süden Japans die Wissenschaft nicht überraschen wird, aber womöglich schneller kommt, als die Gesellschaft sich darauf einstellen kann.
Auf der Karte
Auf der Karte liegt Sakurajima gegenüber von Kagoshima in der südlichen Spitze Kyushus. Die Aira-Caldera umringt die Bucht, Kaimondake steht weiter südlich.