Mount Rainier: Tiefblick auf den Riesen der Kaskaden
Mount Rainier ist der Vulkan, den die Welt von Postkarten kennt. Von Tacoma aus füllt er den Südhorizont, weiß und einzeln stehend, fast zu groß, um wirklich zu sein. Die Einheimischen sagen schlicht „der Berg". Unter dem Schnee liegt ein aktiver Schichtvulkan mit einem Gefahrenprofil, das ihn zu den gefährlichsten des Landes zählt.
Ein gletscherbedeckter Stratovulkan
Rainier ragt 4.392 Meter hoch und trägt mehr Gletschereis als jeder andere Gipfel südlich von Alaska. Fünfundzwanzig benannte Gletscher strahlen vom Gipfel aus, gespeist von einigen der stärksten Schneefälle des Kontinents. Unter diesem Eismantel sitzt ein etwa 500.000 Jahre alter Vulkan, aufgebaut aus Schicht um Schicht Andesitlava und pyroklastischen Strömen.
Lahare sind die eigentliche Gefahr
Das dramatische Risiko am Rainier ist nicht Lava, sondern Lahare — schnell fließende Schlammströme aus Schmelzwasser, Asche und Gestein. Der Osceola-Lahar vor rund 5.600 Jahren legte über 100 Kilometer zurück und füllte das Tiefland am Puget Sound mit Geröll. Ein vergleichbarer moderner Lahar würde die Vororte Tacomas in deutlich unter einer Stunde erreichen.
Überwachung und Warnung
Das USGS Cascades Volcano Observatory betreibt ein dichtes Netz aus Seismometern, GPS-Sensoren und akustischen Strömungsmessern an den Hängen. In den Talorten sind Lahar-Sirenen installiert. In den Schulen wird Lahar geübt wie in Kalifornien Erdbeben.
Den Rainier besteigen
Rund 10.000 Bergsteiger versuchen jährlich den Gipfel, die meisten über die Disappointment-Cleaver-Route vom Camp Muir. Es ist ein ernstzunehmender Berg — Eisbrüche, Spalten, Wetterfenster von Stunden statt Tagen — aber für fitte Amateure mit Bergführer machbar. Rund die Hälfte erreicht den Gipfel.
Der Nationalpark drumherum
Der Mount-Rainier-Nationalpark gehört zu den ältesten der USA, 1899 gegründet. Paradise im Süden und Sunrise im Nordosten sind die berühmten Aussichten. Ende Juli füllen sich die Wiesen unter den Gletschern mit Lupinen, Indianerpinsel und Lawinenlilien.
Geothermisches Leben am Gipfel
Im Gipfelkrater windet sich ein Netz von Dampfhöhlen durch das Eis — eines der größten Systeme seiner Art weltweit. Bergsteiger suchen darin manchmal Schutz vor Stürmen. Am Kraterboden liegt ein ganzjährig eisfreier See.
Warum der Rainier zählt
Rainier ist das Lehrbuchbeispiel dafür, wie ein leise dampfender Vulkan Städte zehn Kilometer entfernt bedrohen kann. Er ist auch eine heilige Landmarke der Coast-Salish-Völker, die ihn als Tahoma kannten, lange bevor er seinen englischen Namen bekam. Nur wenige Berge tragen so viel Gewicht in Wissenschaft, Kultur und Stadtsilhouette.
Auf der Karte
Auf der Karte findet sich Rainier südöstlich von Seattle und Tacoma. Mount St. Helens und Mount Adams liegen südlich, Glacier Peak ragt nördlich aus der Wildnis.